Schizotypische Borderline-Politiker
Das
Borderline-Syndrom gilt als schwere psychische Erkrankung,
die oft durch massive Störungen der Beziehungen zwischen
Eltern
und Kind in der frühen Kindheit hervorgerufen wurde.
Psychotherapeuten fürchten diese Klienten, weil sie
unberechenbar,
undankbar und häufig aggressiv oder verführerisch sind. Nicht
selten
fallen sie ihren Mitmenschen zur Last. Ein Borderliner genügt,
um
eine Arbeitsgruppe oder gar ein ganzes Unternehmen aufzumischen.
Die Schizotypische Persönlichkeitsstörung ist ein
tiefgreifendes Muster sozialer und zwischenmenschlicher Defizite, das
in schweren Fällen das Zusammenleben mit diesen Menschen zur
Qual
machen kann.
Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass unsere Welt, so
wie
sie ist, ohne die viel geschmähten Borderliner und
schizotypisch
Persönlichkeitsgestörten überhaupt nicht
funktionieren
würde. Denken Sie doch nur an die Politik. Ohne
Menschen
mit der Doppeldiagnose Borderline- und Schizotypische
Persönlichkeitsstörung in den Führungsetagen
könnte
keine Partei funktionieren, müsste sich jedes Parlament
auflösen und Wahlen wären auch nicht zu gewinnen.
Denn - und
das ist das Überraschende - sobald sich ein schizotypischer Borderliner
politisch
betätigt, verehren ihn die Massen.

Hohes Haus oder Geschlossene Abteilung?
Tatorte
Deutscher Bundestag
Bayerischer
Landtag
SPD
CDU
Hier könnten noch viele, viele vergleichbare Links stehen,
ohne
dass sich am Befund etwas Wesentliches ändern würde.
Literatur
Hans-Jürgen
Wirth: Narzissmus und Macht. Zur Psychoanalyse seelischer
Störungen in der Politik. Psychosozial-Verlag, 2002
Struktur und Persönlichkeit
Der
Einwand, politisches Verhalten sei im Wesentlichen strukturell bedingt
und könne daher in der Regel nicht sinnvoll psychopathologisch
erklärt werden, muss zweifellos ernst genommen werden.
Selbstverständlich agieren Politiker unter starken
Einschränkungen, die ihre Handlungsspielräume begrenzen - und
dabei sind natürlich nicht nur nationale, sondern auch
internationale Gegebenheiten zu berücksichtigen.
Es trifft sicher auch zu, dass
politisches Verhalten, zumindest in Demokratien, in viel stärkerem
Maße öffentlicher Kontrolle unterliegt als das Verhalten von
"Durchschnittsbürgern" und dass diese Tatsache hemmungsloses
Ausleben einer unkontrollierten Psychopathologie doch eigentlich
verhindern müsste.
Diese Argumentation setzt aber voraus, dass die Strukturen, die hier
als Korrektiv der Psychologie gedacht werden, nicht selbst pathologisch
sind. Wäre diese aber pathologisch, dann gäbe es zwei
Möglichkeiten, die einander nicht ausschließen:
- Die Strukturen machen Politiker verrückt
- Die Strukturen ziehen Menschen mit psychopathologischen Tendenzen an
Klar, diese Erwägungen muss man
nicht tierisch ernst nehmen. Wir kommen ja doch ganz passabel zurecht
mit diesen Verhältnissen. Allein: Sie sind ein Skandal.
Politiker an der Grenze
Das DSM-IV, die diagnostische Bibel der Psychiatrie, zählt 9
Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörung bzw.
der
Schizotypischen Persönlichkeitsstörung auf.
Fünf davon
müssen jeweils gegeben sein, um eine Person als Borderliner bzw. als schizotypisch persönlichkeitsgestört zu
charakterisieren. Einige dieser Merkmale kennzeichnen die
Doppeldiagnose des Politikersyndroms.
Verzweifeltes Bemühen,
tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.
Dieses Merkmal steht nicht nur beim Borderline-Syndrom, sondern auch
bei unseren Politikern an erster Stelle. Das bevorzugte Instrument zur
Vermeidung des Verlassenwerdens ist das Telefon. Es läuft
regelmäßig heiß, wenn sich Politiker der
Unterstützung ihrer Seilschaften versichern, wenn sie
Lobbyisten
gewogen stimmen, wenn sie bei ihren Parteivorsitzenden schleimen, wenn
sie die Platzhirsche in ihren Wahlkreisen besänftigen usw.
Doch auch ohne Telefon, das sie natürlich immer am Leibe
führen, kämpfen unsere Politiker unermüdlich
gegen die
Gefahr des Verlassenwerdens an: in Gremien, in Bierzelten, ja, manchmal
sogar in Parlamenten steht die Waffel nicht still, wenn es darum geht,
Bündnisse zu schmieden und den eigenen Einfluss zu sichern.
Seltsame Überzeugungen oder magische
Denkinhalte
Zu den seltsamen Überzeugungen, die sich bei Politikern
größter Beliebtheit erfreuen, gehören
natürlich
die Glanzlichter aus der buntschillernden Welt der
Verschwörungstheorien. Hitler wähnte, die Juden seien
an
allem schuld, und die Politiker des freien Westen glaubten ernsthaft
daran, der Kreml plane die Weltrevolution. Heute meinen manche, in
jedem hausbackenen PC stecke ein virtueller Islamist, Gregor Gysi sei
die Wiedergeburt Stalins oder man müsse, um die Welt zu
retten,
den ganzen Planeten, überall da, wo ein Lüftchen weht, mit
Windkrafträdern überziehen.
Gleichermaßen verzückt magisches Denken die Politikerhirne. Komplexe Probleme will man mit simplen Zauberformeln
meistern und glaubt fest an deren Erfolg. Das Arbeitslosengeld II
beispielsweise soll die Arbeitslosenzahlen reduzieren, indem es die
Faulen an die Arbeit treibt. Der Neoliberalismus soll Wohlstand
für alle bringen. Die Zahl selbst der populärsten
Zauberformeln ist zu groß, um hier auch nur einen Bruchteil
aufzählen zu können.
Ungewöhnliche Wahrnehmungserfahrungen
Gerade dieses Merkmal setzt mich bei Politikern immer wieder in
Erstaunen. Sie sind vielfach z. B. in der Lage, das ganze Wahlvolk auf
einmal wahrzunehmen. Sie sagen dann: Der Wähler will dieses
oder
jenes.
Mitunter nehmen sie auch kausale Zusammenhänge wahr,
bei
denen der unbedarfte Bürger sich die Augen reibt, und
behaupten,
der Rückgang der Arbeitslosenzahlen um ein paar Promille
beweise,
dass ihre Wirtschaftspolitik nun greife.
Seltsame Denk- und Sprechweisen
Muss ich diesen Punkt wirklich ausführen? Über die
Abgründe der Politikersprache wurden schon ganze
Bücherschränke voll geschrieben. Die sog.
Borderline-Sprache
ist eine Kopie der Politikersprache oder umgekehrt. Borderliner und
Politiker neigen dazu, vage und umständlich zu formulieren,
sie
lieben Stereotype, sie hassen klare, unmissverständliche,
verbindliche, konkrete Aussagen.
Argwohn und paranoide Vorstellungen
Der politische Argwohn richtet sich nicht nur gegen Gegner, er macht
auch vor Parteifreunden und Koalitionspartnern nicht halt. Ein falsches
Wort kann genügen, um eine Maschinerie der
Verdächtigungen in
Gang zu setzen. Überall wittert man Intrigen und den Dolch im
Gewande.
Auch handfeste Paranoia ist nicht gerade selten. So ist der sog.
Radikalenerlass immer noch in unrühmlicher Erinnerung und auch
heute findet sich stes ein Anlass für
Verfolgungsgefühle
oder Omnipotenzphantasien.
Inadäquater oder eingeschränkter
Affekt
Die Fähigkeit, die Konsequenzen politischen Handelns
für
Betroffene nachzuvollziehen, ist bei Politikern notorisch defekt. Man
denke nur daran, dass manche Politiker Hartz-IV-Empfängern
genüsslich
vorrechnen, wie sie sich am besten die Wurst vom Mund absparen und mit
Magersuppe glücklich leben können. Man denke nur
daran, wie
sie bei Bombenangriffen von der "chirurgischen
Präzision" der Schläge schwärmen und mit
Krokodilstränen die "Kollateralschäden" beklagen.
Verhalten oder äußere Erscheinung
sind seltsam, exzentrisch oder merkwürdig
Ja, ich verkneife mir hier Bemerkungen über den Outfit unserer
Bundeskanzlerin, das ist ja alles schon viel besser geworden. Auch
über ehemalige Turschuhminister und andere grüne
Eigenarten
will ich mich nicht mokieren. Viele der einstudierten Posen unserer
Politiker empfinden wir heute nicht mehr als exzentrisch und
merkwürdig, weil wir uns daran gewöhnt haben und sie
für
selbstverständlich halten. Würde sich jemand in
unserer
Stammkneipe so geben, wäre dies vermutlich anders.
Mangel an engen Freunden und Vertrauten
Wozu braucht man Feinde, wenn man politische Freunde hat?
Beziehungsideen
Alle, oder vorsichtiger, fast alle Politiker wähnen, ihre
Stammwähler seien brennend an den geistigen Perlen
interessiert,
die den Politikern beständig aus den Mündern
blubbern.
Ein Muster instabiler, aber intensiver
zwischenmenschlicher
Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der
Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
Der Freiheitskämpfer von heute ist der Terrorist von morgen,
oder
umgekehrt. Besonders drastisch zeigt sich das Phänomen nach
den
Wahlen, wenn der Wähler geruhte, keine Partei mit einer
absoluten
Mehrheit auszustatten. Dann wird aus dem Dämon von gestern
ganz
schnell und leicht der Engel von heute, der einen auf den Stuhl des
Kanzlers oder Ministerpräsidenten hievt.
Identitätsstörung:
ausgeprägte und andauernde Instabiltät des
Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung
Da denke ich zum Beispiel an die Riege sozialdemokratischer Politiker,
die vor der Schröder-Wahl behaupteten, die Abschaffung der
Arbeitslosenhilfe sei mit ihrem sozialdemokratischen Gewissen nicht vereinbar, hinterher
aber betonten, ihr Sozi-Gewissen dränge sie dazu, Hartz-IV
durchzusetzen. In der Regel ist die politische Identität so
stabil
wie ein Kartenhaus. Das Paradebeispiel ist die Entwicklung der
Grünen von der Gründung bis heute.
Impulsivität in mindestens zwei potentiell
selbstschädigenden Bereichen (Geldausgeben,
Sexualität,
Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren,
Fressanfälle)
Hier erübrigt sich wirklich jeder Kommentar, nur ein Beispiel:
Trunkenheitsfahren bayerischer Politiker einer staatstragenden Partei.
Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die
Wut zu kontrollieren
Klar, es ist der Heilige Zorn, nichts Pathologisches, was Politiker
ergreift, wenn sie sich beispielsweise in Talkshows ankläffen
wie
Hunde, die um die Wurst kämpfen.
Sind Politiker wirklich
persönlichkeitsgestört?
Vermutlich wird kaum ein Leser bestreiten, dass die beschriebenen
Merkmale und Verhaltensweisen bei unseren Politikern massenhaft
auftreten. Doch rechtfertigt diese Häufung
tatsächlich die
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung?
Auch Politiker würden diese Phänomene vermutlich
einräumen, aber vorschützen, das Amt oder der Gegner
zwinge
Politiker dazu, sich in der beschriebenen Weise zu verhalten. Diese
Verhaltensmuster beruhten auf einem Kalkül und
stünden
selbstverständlich unter der Kontrolle des so handelnden
Politikers. Von einer Persönlichkeitsstörung
könne
daher, von Ausnahmefällen abgesehen, nicht gesprochen werden.
Mag ja sein. Aber auch die ganz normalen
Persönlichkeitsgestörten ohne politisches Mandat
behaupten,
ihre Position in der Welt oder ihre Feinde ließen ihnen keine
andere Wahl als sich so zu verhalten, wie sie sich verhalten.
Vielleicht sind ja die psychiatrischen Diagnosen der
vielfältigen
Persönlichkeitsstörungen unzulässig, weil
sie nur
Spielarten ganz normalen menschlichen Verhaltens beschreiben.
Die für mich wichtigere Frage lautet allerdings: Warum
wählen
wir eigentlich Politiker, die sich so aufführen?
Ein Biotop
Wer früher auf dem Land lebte und schwul war, der konnte von Glück sagen, wenn er in einer katholischen Gegend lebte. Denn ohne Ehepartner kam man damals nicht über die Runden. Wenn man ein halbwegs menschenwürdiges Leben führen wollte, so hatte man in diesen Gegenden die Möglichkeit, Priester oder Nonne zu werden.
In einer ähnlichen Situation befinden sich heute schizotypische Borderline-Persönlichkeiten. Sie können von Glück sagen, wenn sie in einem demokratischen Gemeinwesen leben. Denn hier bieten sich ihnen die Parlamente als Zuflucht. Sie können ein halbwegs menschenwürdiges Leben führen, wenn sie den Beruf des Abgeordneten ergreifen.
Überall dort, wo Leistung zählt, wo man mit seinen Mitmenschen auskommen muss, wo man einen verträglichen Charakter braucht, wo Arroganz nicht als Tugend und Unwissenheit nicht als höhere Weisheit gilt ... überall dort hätten unsere schizotypischen Borderline-Persönlichkeiten keine Chance.
Halt, ich höre mit meinem inneren Ohr schon die Einwände: Machen nicht auch manche Politiker in der Wirtschaft Karriere?
Natürlich, hinterher. Wenn Sie einflussreiche Posten in der Politik bekleidet und nützliche Verbindungen haben, dann werden sie auch anderswo toleriert.
Stopp! Gibt es nicht auch charismatische Politiker?
Zweifellos. Die gibt es. Das sind Leute, die gut emotionalisieren können und die Massen faszinieren, weil sie sich erfolgreich über allgemein verbindliche Regeln hinwegsetzen. Der Beruf des Charismatikers ist wie geschaffen für unsere schizotypischen Borderline-Politiker.
Aber Charismatiker sind doch gute Menschen, oder? Sind sie nicht beliebt bei Jung und Alt?
Natürlich sind sie das. Waren nicht auch Hitler und Stalin, die schlimmsten Schlächter der Menschheitsgeschichte, auf dem Gipfel ihrer Macht beliebt bei Jung und Alt? Manche lieben sie noch heute. Das ist Charisma.
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Dipl.-Psych. Dr. Hans Ulrich Gresch