Angela Lenz (ein Pseudonym) wurde seit frühester Kindheit bis in ihr Erwachsenenleben absichtlich in eine multiple Persönlichkeit verwandelt. Die künstlich erzeugten Pseudo-Persönlichkeiten wurden mit brutalen Methoden abgerichtet wie Hunde. Die Journalistin Ulla Fröhling schilderte den Leidensweg dieser Frau in ihrem Buch "Vater unser in der Hölle". Die erste Auflage erschien 1996, nun liegt eine zweite, überarbeitete und erweiterte Taschenbuch-Version vor.
Angela Lenz unterzog sich einer Psychotherapie, doch auch dieser gelang es nicht, die Horror-Story durch ein Happy End erträglicher zu machen. In der Neuauflage druckt Fröhling einen Brief von Angela Lenz an sie vom August 2006 ab. Die Journalistin schreibt dazu, Angela Lenz habe es wohl geschafft, dennoch sei es ein bitterer Brief. Was ist das Bittere an diesem Brief? Angela Lenz wurde zutiefst enttäuscht. Doch diese Enttäuschungen wären vermeidbar gewesen.

Analyse des Briefs

Angela Lenz berichtet, dass sie einige sehr kluge Bücher über die Behandlung traumatisierter Menschen in der Hand gehabt habe. Doch leider würde in diesen Büchern nicht gesagt, wie es nach der Therapie weitergehe. Sie fragt:

"Nach der Trauma-Arbeit und der anschließenden 'Trauerzeit' hört doch nicht alles auf. Ist man danach gesund? Was bedeutet das eigentlich, gesund zu sein? Manchmal fühle ich mich kränker als je zuvor. Ist bei mir etwas schiefgelaufen?"

Nein, es ist nichts schiefgelaufen. Dieses Ergebnis war zu erwarten. Leider erwecken manche Psychotherapeuten und Autoren schlauer Bücher falsche Hoffnungen, sei es aus Dummheit, sei es aus Unwissenheit, sei es aus Geschäftsinteressen oder sei es auch in der wohlmeinenden Absicht, die Patienten zu motivieren. Dabei unterlassen es diese hoffnungsfroh gestimmten Psychotherapeuten und Autoren nicht nur, ihre Klienten über die begrenzten Möglichkeiten der Psychotherapie zu informieren und dass diese nur so weit reichen wie die Selbstheilungsfähigkeit der Patienten. Zudem verschweigen sie oder sie wissen es nicht besser, dass der sog. Satanisch Rituelle Missbrauch mit unausweichlichen Konsequenzen verbunden ist, die keine Therapie und sonstige Form der Hilfe nachträglich korrigieren kann.

Ich spreche hier natürlich nur vom "echten" Satanisch rituellen Missbrauch. Nicht jede extrem sadistisch Misshandlung von Kindern, so teuflisch sie auch immer sein mag, ist Satanisch Ritueller Missbrauch. Beim sog. Satanisch Rituellen Missbrauch wird die Persönlichkeit des Opfers seit frühester Kindheit mit psychologisch ausgefeilten Methoden systematisch gespalten: u. a. durch den fein abgestimmten Einsatz von Drogen, Folter, Hypnose, sensorischer Deprivation, Elektroschocks und durch eine brutale und erniedrigende "Erziehung".

Das oberste Ziel dieser Maßnahmen besteht darin, die Entwicklung einer integralen Identität, einer in sich geschlossenen, singulären Persönlichkeit gar nicht erst zuzulassen. Denn dies ist die unverzichtbare Voraussetzung für das reibungslose Funktionieren des multiplen Persönlichkeitssystems im Sinne der Täter. Bildet sich nämlich eine normale, nicht multiple Basispersönlichkeit, dann wird diese immer wieder hervortreten und keine Gewalt, keine psychologische Raffinesse können dies verhindern.

Woran liegt das? Die Identitätsentwicklung erfolgt in einer sehr frühen Phase des menschlichen Lebens und sie ist kein simpler Lernprozess, sondern eine Prägung. Sie vollzieht sich rasend schnell. Anders als beim normalen Lernen bedarf sie keiner beständigen Wiederholung. Es genügt, die identitätsstiftenden Interaktionen einmal zu vollziehen. So entwickelt sich der Kern der Persönlichkeit, natürlich auf Grundlage genetischer Dispositionen. Die Feinheiten und Nuancen der Persönlichkeiten entwickeln sich dann später auf dieser Basis durch Konditionierungen - oft lebenslang.

Hat sich also eine integrale Persönlichkeit etabliert, dann können die Täter nur noch ein oberflächliches, instabiles System aufprägen, das sich schnell wieder verflüchtigt. Und aus diesem Grunde beginnen sie mit ihrer Arbeit in frühester Kindheit. Sie prägen ein multiples anstelle eines integralen Systems. Sie prägen zudem ein multiples System. das nicht zum Widerstand gegen ihre Kommandos in der Lage ist. Sie prägen ein multiples System, das nichts anderes kennt als Unterwerfung unter den Willen der Täter. Sie prägen ein multiples System, das sich abgrundtief unsicher fühlt bei der leisesten Regung eines abweichenden Willens. Sie prägen schließlich ein multiples System, das nur eine Frontperson zum Bewusstsein zulässt - und diese Frontperson weiß nicht, dass sie keine integrale Persönlichkeit ist, sie weiß nicht, dass sie ein mentaler Sklave ist.

Keine Therapie, keine sonstwie geartete Maßnahme kann die "Alters" einer so systematisch gespaltenen Persönlichkeit "verschmelzen". Sie kann bestenfalls die volle Bewusstheit der Multiplizität erreichen und sie kann den Sklaven befreien, ihn befähigen, den Kommandos der Täter zu widerstehen. Aber sie kann nicht rückgängig machen, was aus psycho-biologischen Gründen nicht rückgängig gemacht werden kann: die Prägung der Identität.

Und so schreibt Angela Lenz:

"Klar, vieles hat sich verbessert und ist einfacher geworden. Ich falle nicht mehr auf und bekomme mein Leben halbwegs geregelt. Ich muss nicht mehr ständig Angst haben, dass ein anderer Teil von mir etwas tut, was ich nicht mitbekomme. Ich muss keine Angst mehr haben, dass 'ich' Dinge tue, durch die ich wieder Ärger bekomme."

Ja, in der Tat, und das ist ein großes Geschenk!

Doch, so schreibt Angela Lenz in ihrem Brief, eine wirkliche Einheit sei sie immer noch nicht. Die Automatismen seien immer noch da. Die Persönlichkeitswechsel orientierten sich nicht an dem, was gut tue, sondern was in der Außenwelt gerade gebraucht werde. Dadurch fühle sie sich fremdbestimmt, isoliert und einsam.Kurzum: Angela Lenz ist aus einem mentalen Roboter, der bestimmte Eigentümer hatte, zu einem herrenlosen Roboter geworden, der vieler Herren Diener sein kann. Bosse, die andere Menschen gern fremdbestimmen und ausbeuten, könnten sich eigentlich glücklich schätzen, hätten sie so eine wie Angela Lenz. Sie ist nun eine unausgefüllte Persönlichkeitsmatrix für die Bedürfnisse des Kapitalismus.

"Das Schlimmste ist, dass ich durch diese 'Gesundung' nun fast alles aus meinem Leben weiß. Und ich weiß es nicht nur, ich spüre es auch. Das, was sich auf viele Anteile verteilt hatte, weil es sonst für eine Person zu viel gewesen wäre, habe ich nun alles auf einmal. Trauma-Arbeit hat geholfen, dass nicht mehr alles so extrem schlimm ist wie früher. Nein, ich bin nicht 'gesünder'. Ich bin nur 'anders' geworden."

...dass nicht mehr alles so schlimm ist...

Jede Erleichterung ist natürlich begrüßenswert, aber das reicht nicht, liebe Traumatherapeutinnen und Traumatherapeuten. Lasst eure Klientinnen und Klienten doch nicht zurück als Schattenexistenzen, die froh sein können, wenn sie den Anforderungen anderer genügen. Oder seht ihr das als euren Auftrag? Ist das euer Auftrag?

Opfer von Gehirnwäsche durch Persönlichkeitsspaltung haben immer noch eine Chance, ihr Leben mit Sinn zu erfüllen. Um mit Victor Frankl zu sprechen: Sie können die Trotzmacht des Geistes nutzen. Sie können lernen, ein multiples System ohne fremde Herren zu sein. Dazu gehört es auch, die früheren Herren zu kennen und ihre Motive zu begreifen. Was waren denn das für "Satanisten"? Welche Uniform kommt zum Vorschein, wenn sie daheim ihre Satanskutten ablegen?

Satanismus

Von den Theoretikern des sog. Satanisch Rituellen Missbrauchs wird der Begriff "Satanismus" heute überwiegend als Synonym für alles Böse mit esoterischem Beiwerk gebraucht. Religionswissenschaftlich, soziologisch und psychologisch ist diese Begriffsverwendung zweifellos höchst unbefriedigend, aber sie scheint den Bedürfnissen dieser Satanismus-Theoretiker zu befriedigen. Es fragt sich nur, welche Bedürfnisse das sind.

Wie auch immer. Unpräzise Begriffe begünstigen immer die Verschleierung von Sachverhalten, ob dies nun beabsichtigt ist oder nioht. Daher empfehle ich dringend, sich in die Thematik "Satanismus" einzulesen, wenn man sich mit dem "Satanisch Rituellen Missbrauch" auseinandersetzt - und nicht allein auf die Erläuterungen der Theoretiker des sog. Satanisch Rituellen Missbrauchs zu verlassen.

Akademisch, trocken, aber informativ ist z. B.: Karl R. H. Frick: Die Satanisten. Materialien zur Geschichte der Anhänger des Satanismus und ihrer Gegner. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz, 1985.

Wer mag hinter Satans Masken stecken?

In Sebastian Seferlyns Roman "Das Janus-System" wird eine politische Theorie des "Satanisch Rituellen Missbrauchs entwickelt.


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